WISSENSCHAFTLICHES FEHLVERHALTEN

Wissenschaftliches Fehlverhalten – Fallgruppen und rechtliche Risiken

Der Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens kann die Reputation  eines Akademikers nachhaltig schädigen. Auch wenn nicht direkt ein Plagiat im Raum steht, kann der Verstoß gegen die „Spielregeln“ der scientific community gravierende Folgen haben – in Einzelfällen wurden bereits Doktortitel im Nachgang aberkannt, weil sich der Titelträger aufgrund von wissenschaftlichem Fehlverhalten des Titels „unwürdig“ gezeigt haben soll.

Was ist wissenschaftliches Fehlverhalten?

Es gibt keine Legaldefinition, keinen gesetzlich festgelegten Kanon wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Umschrieben wird es in der Regel damit, dass wissenschaftliches Fehlverhalten dann vorliegt, wenn gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis verstoßen wird. Auch diese Regeln sind nirgends allgemeinverbindlich geregelt – manche Hochschulen und Institutionen haben derartige Vorschriften in ihren Satzungen festgeschrieben. Zu den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zählt man üblicherweise:

  • lege artis zu arbeiten,
  • sämtliche Resultate von Experimenten und Forschungen zu dokumentieren,
  • Primärdaten aufzubewahren und zu sichern,
  • vollständige Ehrlichkeit im Hinblick auf die Urheberschaft von Texten und Forschung Dritter zu wahren,
  • kritisch eigene Ergebnisse zu hinterfragen,
  • etc.

Missachtet ein Wissenschaftler einen oder mehrere der oben genannten Punkte, so ist ihm in der Regel wissenschaftliches Fehlverhalten vorzuwerfen.

Folgen des Fehlverhaltens

Welche rechtlichen Folgen wissenschaftliches Fehlverhalten nach sich zieht, hängt stark davon ab, in welchem Rahmen es begangen wurde. Geschieht es im Rahmen einer Prüfungssituation (bei der Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit), wird die Arbeit in der Regel mit „nicht bestanden“ bewertet (ein Täuschungsversuch). Lässt sich ein „gestandener“ Wissenschaftler wissenschaftliches Fehlverhalten zu Schulden kommen, können die Folgen durchaus gravierender sein, abhängig davon, von welcher Seite es beanstandet wird. Rügt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) z.B. Fehlverhalten bei Projekten, die durch sie (mit-) finanziert wurden, können diese Gelder zurückgefordert und eventuelle veröffentlichte Publikationen zurückgezogen werden. Sollte die Beanstandung von Seiten einer Hochschule kommen, kann diese dem Betroffenen auch akademische Grade im Nachgang aberkennen: Der Titelentzug. Hinzu kommen personalrechtliche Probleme, die eine Rolle spielen können. So ist es durchaus denkbar, eine Arbeitsanstellung in einer wissenschaftlichen Einrichtung aufgrund von wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu verlieren.