TÄUSCHUNG

Täuschung und Täuschungsversuch bei einer Prüfung – wann liegen sie vor und welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es?

Eine Täuschung im Rahmen einer Prüfung stellt einen Verstoß gegen den Grundsatz der Chancengleichheit aus Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz dar. Aus diesem Grund kann ein Täuschungsversuch von der Prüfungsbehörde sanktioniert werden. In der Regel wird die Prüfung als „nicht bestanden“ gewertet, aber auch das endgültige Nichtbestehen und das Ende der Ausbildung können auf eine besonders schwere Täuschung folgen. Insbesondere in diesen Fällen ist es empfehlenswert, mit rechtlichen Mitteln die Rechtmäßigkeit der Entscheidung prüfen zu lassen.

 

Was ist ein Täuschungsversuch?

Zunächst stellt sich allerdings die Frage, welches Verhalten überhaupt als Täuschungsversuch bezeichnet werden kann. Es lassen sich im Wesentlichen drei Fallgruppen ausmachen:

 

Das klassische „Pfuschen“ – Spickzettel, Abschreiben & Co.

Der wohl „klassische“ Fall eines Täuschungsversuchs liegt dann vor, wenn während einer Prüfung ein Spickzettel oder andere nicht zugelassene Hilfsmittel (Fachbücher, Notizen, Formelsammlungen) benutzt werden. In die gleiche Kategorie fällt das Abschreiben vom Tischnachbarn.

 

Mitführen unerlaubter Hilfsmittel

Auch das bloße Mitführen von nicht erlaubten Hilfsmitteln kann einen Täuschungsversuch darstellen. In diesen Fällen kommt es nicht darauf an, ob das Hilfsmittel (ein Taschenrechner, ein Fachbuch) tatsächlich genutzt wurde. Der bloße Besitz genügt hier. Allerdings kann derartiges Verhalten nur dann als versuchte Täuschung gewertet werden, wenn die Prüfungsordnung dies auch so vorsieht – ansonsten sind Sanktionen rechtswidrig.

 

Plagiate und fehlende Zitate

Bei wissenschaftlichen Arbeiten als Prüfungsform eröffnet sich eine dritte Kategorie möglicher Täuschungsversuche: Das Plagiatund übrige fehlende oder fehlerhafte Nachweise zu fremden Quellen. Als wissenschaftliche Arbeit sind insbesondere Bachelor- und Master-Arbeiten (Thesis), Hausarbeiten, Seminararbeiten, Doktorarbeiten und Habilitationsschriften zu nennen. Während unter einem Plagiat die systematische Übernahme fremder Texte ohne Angabe der Quelle zu verstehen ist, können fehlerhafte Quellennachweise durchaus leichter geschehen. Es genügt bereits, dass mehrere Fußnoten fehlen, falsch zugeordnet sind oder statt eines wörtlichen Zitats nur ein „vergleiche“ (vgl.) in der Quellenangabe vorgesehen wird. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat es in der Entscheidung zum „Fall Schavan“ einst auf den Punkt gebracht: Der Leser muss jederzeit wissen, wer zu ihm spricht. Daher ist auch das Verschweigen von so genannter „Sekundärliteratur“ bereits als Täuschungsversuch einzustufen. Hiervon spricht man, wenn die Aufarbeitung und Analyse von mehreren Primärquellen aus einer anderen Quelle übernommen werden. Während die Primärquellen hierbei in der Regel ordentlich angegeben werden, fehlen Hinweise in den Fußnoten, dass man sich der Ausarbeitung und Zusammenstellung eines Dritten bedient hat – der Sekundärquelle.

 

Nachweispflicht der Prüfungsbehörde

Zu beachten ist allerdings, dass die Prüfungsbehörde eine versuchte Täuschung nachweisen und somit im Zweifel auch vor Gericht beweisen muss. Sie kann sich hierbei allerdings den Regeln des so genannten „Anscheinsbeweises“ bedienen. Damit ist gemeint, dass in gewissen Fällen bereits der Anschein einer Täuschung genügt, um einen Täuschungsversuch festzustellen. Wenn z.B. die Klausur des Prüflings nahezu wortgleich mit der nicht öffentlich zugänglichen Musterlösung übereinstimmt, darf davon ausgegangen werden, dass der Prüfling sich diese irgendwie beschafft hat. Er muss also nicht bei der tatsächlichen Täuschung „in flagranti“ erwischt werden. Kann der Prüfling allerdings glaubhaft machen, dass er andere Möglichkeiten hatte, den Lösungstext auswendig zu lernen, (z.B. weil alte, sehr ähnliche Musterlösungen vom Prüfer zur Verfügung gestellt wurden), muss die Prüfungsbehörde die Täuschung tatsächlich vollbeweisen. Prüfungsbehörde in diesem Sinne ist immer das Prüfungsamt, der Prüfungsausschuss oder die Schule – nicht jedoch der jeweilige Prüfer oder gar die Aufsicht! Diese Personen dienen bei der Frage, ob ein Täuschungsversuch vorliegt, als Zeugen. Sie dürfen jedoch nicht eigenständig entscheiden, ob tatsächlich getäuscht wurde oder nicht.

 

Besonders schwere Täuschung

Wenn eine Täuschung nachgewiesen wird, gilt in aller Regel die betroffene Prüfung als „nicht bestanden“. In besonders schweren Fällen kann eine Täuschung jedoch auch den Verlust des Prüfungsanspruchs und das endgültige Nichtbestehen zur Folge haben. Dies ist ebenso möglich bei einem wiederholten Täuschungsversuch. Was als „besonders schwerer“ Fall einer Täuschung zu verstehen ist, ist bislang nicht abschließend geklärt. Der Prüfling muss allerdings in besonderem Maße gegen die „Spielregeln“ eines fairen Prüfungsablaufs verstoßen haben. Als Beispiel für einen derart krassen Verstoß kann das „Vollplagiat“ genannt werden (die vollständige Übernahme eines fremden Textes). Aber auch erheblich aufwendige Täuschungsversuche durch z.B. technische Hilfsmittel oder unter Beteiligung von Helfern können als schwerer Täuschungsversuch eingestuft werden.

 

Rechtliche Möglichkeiten

Wenn einem Prüfling zu Unrecht ein Täuschungsversuch vorgeworfen wird und insbesondere wenn das endgültige Nichtbestehen der Ausbildung im Raum steht, lohnt sich eine rechtliche Beratung. Mit Hilfe einer Klage vor dem Verwaltungsgericht lassen sich Sanktionen aufgrund von Täuschungsversuchen rechtlich angreifen und überprüfen. Hierbei kommt es oft entscheidend darauf an, ob von Seiten der Prüfungsbehörde tatsächlich eine Täuschung nachgewiesen werden kann. Zudem passiert es regelmäßig, dass die Prüfungsbehörde ihr Ermessen dahingehend, ob und welche Sanktion überhaupt verhängt werden soll, falsch oder gar nicht ausübt. Man spricht insoweit von „Ermessensfehlern“, welche die Entscheidung (z.B. über das Nichtbestehen der Prüfung) rechtswidrig machen. Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie mit einem Täuschungsvorwurf konfrontiert sind! Wir helfen Ihnen, sich richtig zu verhalten