PRÜFUNGSUNFÄHIGEIT

Prüfungsunfähigkeit und Prüfungsrücktritt – Was ist bei Krankheit vor oder während einer Prüfung zu beachten?

Grundsätzlich gilt: Wer krank ist, muss nicht an einer Prüfung teilnehmen. Denn das Ergebnis einer Prüfung ist nicht aussagekräftig, wenn der Prüfling aus gesundheitlichen Gründen nicht sein wahres Leistungsvermögen abrufen kann. Man darf allerdings trotz Krankheit an einer Prüfung teilnehmen, wenn man unbedingt will – dann eben auf eigenes Risiko. Aus diesem Grund ist es bei einer Prüfungsunfähigkeit zwingend erforderlich, rechtzeitig den Rücktritt von der Prüfung zu erklären, wenn man nicht teilnehmen möchte.

 

Was ist Prüfungsunfähigkeit

Ein Prüfling ist prüfungsunfähig, wenn er wegen einer akuten Erkrankung sein wahres Leistungsvermögen nicht abrufen kann. Dies kann an einer normalen Erkältung liegen, aber auch ein gebrochener Arm führt zu einer Prüfungsunfähigkeit bei schriftlichen Prüfungen. Wichtig  ist: Über das Vorliegen einer Prüfungsunfähigkeit entscheidet nicht der Arzt oder gar der Prüfling, sondern die Prüfungsbehörde (in der Regel das Prüfungsamt, der Prüfungsausschuss oder die Schule).

 

Nachweis der Prüfungsunfähigkeit – Atteste

Aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, die Prüfungsunfähigkeit durch ein möglichst aussagekräftiges Attest nachzuweisen. Noch mal: Der Arzt stellt nicht die Prüfungsunfähigkeit fest (eine Ausnahme besteht nur bei Prüfungen an staatlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen). Der Arzt oder das ärztliche Attest sind vielmehr ein „sachverständiges Medium“, das der Prüfungsbehörde die notwendigen Informationen liefert. Daher ist es sehr wichtig, dass die ärztliche Bescheinigung ausführlich darstellt, unter welchen gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Prüfling leidet und wie diese sich auf sein Leistungsvermögen auswirken. Und, ja, hierfür muss der Prüfling den Arzt von seiner ärztlichen Schweigepflicht entbinden. Eine „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“ genügt in jedem Fall nicht.

 

Unverzüglicher Rücktritt

Genauso wichtig wie ein aussagekräftiges Attest ist der rechtzeitige Rücktritt von der Prüfung. Die Prüfungsunfähigkeit muss der Prüfungsbehörde unverzüglich angezeigt und glaubhaft gemacht werden. Ebenso muss unverzüglich erklärt werden, dass man an der Prüfung nicht teilnehmen will. Unverzüglich bedeutet im rechtlichen Sinne „ohne schuldhaftes Zögern“, das heißt in der Regel: Am selben Tag, an dem der Prüfling merkt, dass er am Prüfungstermin aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Prüfung teilnehmen kann, muss er sich eine ausführliche ärztliche Bescheinigung besorgen, den Rücktritt gegenüber der Prüfungsbehörde erklären und das Attest einreichen.

 

Besonderheiten während der Prüfung

Nun kann es in Einzelfällen passieren, dass man währendeiner mehrstündigen Prüfung erkrankt. Insbesondere Magen-Darm-Erkrankungen treten in aller Regel plötzlich auf. Auch in diesen Fällen kann man noch von der Prüfung zurücktreten – allerdings unter verschärften Voraussetzungen: Man muss:

  • sofort die Prüfung abbrechen,
  • von der Aufsicht protokollieren lassen, dass und wann die Prüfung aus Krankheitsgründen abgebrochen wurde,
  • sofort einen Arzt aufsuchen,
  • sich von diesem Arzt ein ausführliches Attest ausstellen lassen, das
    • über die Art und Symptome der Krankheit informiert,
    • deren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Prüflings beschreibt sowie
    • festhält, dass die Erkrankung plötzlich aufgetreten ist und
  • dieses Attest mit einer Rücktrittserklärung noch am selben Tag bei der Prüfungsbehörde einreichen.

 

Rücktritt aus sonstigen Gründen

Darüber hinaus ist ein Rücktritt von einer Prüfung auch noch in anderen Fällen möglich, es muss nicht zwangsweise eine krankheitsbedingte Prüfungsunfähigkeit vorliegen. Weitere anerkannte Fallgruppen, bei deren Vorliegen ein Prüfling an einer Prüfung nicht teilnehmen muss sind der Tod eines nahen Angehörigen und höhere Gewalt. Unter „höherer Gewalt“ ist allerdings nicht eine Zugverspätung oder ein Stau auf der Autobahn zu verstehen. Hier bedarf es schon etwas Außergewöhnlichem, z.B. wenn aufgrund von extremen Hochwasser eines Flusses die Zufahrtswege zum Prüfungsort schlicht nicht mehr zugänglich sind. Soweit es nicht offensichtlich ist, gilt aber auch hier: Der Prüfungsrücktritt muss unverzüglich erklärt und der Grund hierfür unverzüglich glaubhaft gemacht werden.