ERFOLGSAUSSICHTEN

Erfolgsaussichten einer Studienplatzklage

Wie groß sind die Erfolgsaussichten einer Studienplatzklage? Diese Frage beschäftigt uns in unserer anwaltlichen Praxis regelmäßig. Und die Antwort auf diese Frage ist einerseits ermutigend und andererseits ungewiss: Allgemein gesprochen kann man festhalten, dass die Chancen, mit einer Studienplatzklage einen Studienplatz zu erhalten, in den allermeisten Studiengängen gut bis sehr gut stehen. Auf der anderen Seite muss man so ehrlich sein zuzugeben: Die genauen Erfolgsaussichten in konkret Ihrem individuellen Fall lassen sich nicht seriös prognostizieren. Aber der Reihe nach:

 

Drei Arten von Studiengängen

Hinsichtlich der Erfolgschancen einer Studienplatzklage lassen sich die Studiengänge an deutschen Hochschulen in drei Kategorien unterteilen:

 

1. Kleine Studiengänge

Zunächst gibt es die „kleinen“ Studiengänge. Hiermit sind solche Studiengänge gemeint, bei denen die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass man nur einer von sehr wenigen Klägern, oder gar der einzige Studienplatzkläger an der verklagten Hochschule ist. Hierzu zählen Studiengänge wie Architektur, Masterstudiengänge, BWL und viele mehr. Hier genügt oft, eine einzige Universität oder Fachhochschule in Anspruch zu nehmen, um den gewünschten Platz zu erhalten. Mit kleinen Einschränkungen zählen auch die Lehramtsstudiengänge und der Studiengang Soziale Arbeit hierzu. Dort kann es mitunter passieren, dass mehrere Studienplatzkläger an einer Hochschule einen Platz begehren, die Klage-Konkurrenz also wächst. Doch auch in diesen Studiengängen bestehen sehr gute Erfolgsaussichten einen Platz zu erhalten, wenn man bereits zwei oder drei Universitäten verklagt.

 

2. Studiengänge mit mittlerer Nachfrage: Psychologie und Pharmazie

Die nächste Kategorie bilden die mäßig stark nachgefragten Studiengänge. Hierzu zählen insbesondere Psychologie und mit Abstrichen Pharmazie. Diese Studiengänge bilden insofern einen Sonderfall, als wir hier nicht damit rechnen können, einziger Kläger oder nur einer von ein paar wenigen Studienplatzklägern zu sein. Wenn jedoch mehr Kläger als einklagbare Plätze vorhanden sind, werden diese Plätze im Wege eines Losverfahrens unter den Klägern verteilt. Man braucht also ein klein wenig Losglück. Gleichwohl ist es so, dass in den Studiengängen dieser Kategorie immer noch eine überschaubare Zahl an Personen überhaupt klagt. Um nicht zu stark auf das Losglück angewiesen sein zu müssen, empfehlen wir in der Regel bei diesen Studiengängen, ungefähr fünf bis zehn Universitäten zu verklagen. Kommen unsere Mandanten dieser Empfehlung nach, kann man realistisch ebenfalls von sehr guten Erfolgsaussichten ausgehen, den gewünschten Studienplatz zu erhalten.

 

3. Stark nachgefragte Studiengänge: Medizin

Die letzte Gruppe bilden die sehr stark nachgefragten Studiengänge: Humanmedizin und Zahnmedizin. Bei diesen Studiengängen ist die Sachlage etwas diffiziler. In der Tendenz kann man damit kalkulieren dass eine große, zwei- bis dreistellige Zahl Studienplatzkläger an einer einzelnen Universität versuchen wird, mit einer Studienplatzklage einen Platz zu erhalten. Seien wir also ehrlich: Eine Studienplatzklage im Fach Medizin an nur einer Universität hat ziemlich geringe Aussichten auf Erfolg. Allerdings zeigt die Erfahrung aus vielen Jahren Studienplatzklage, dass in den medizinischen Studiengängen der absolute Großteil der Kläger an vielen Unis klagt. Hierdurch lassen sich zumindest Synergie-Effekte schaffen, sodass man von durchaus realistischen Erfolgsaussichten sprechen kann, wenn man ca. 10-15 Universitäten verklagt. Ein Beispiel: Ein Studienbewerber möchte Medizin studieren und verklagt hierfür zwölf verschiedene Universitäten, die alle den Studiengang Humanmedizin anbieten. An der Uni XY werden durch gerichtliche Entscheidung zehn zusätzliche Studienplätze unter den Klägern verlost. An der dieser Universität klagen insgesamt 120 Personen. Wenn nun unser Studienplatzkläger nicht zu den zehn Personen gehört, die einen Platz erhalten, kann er sich zumindest sicher sein, dass bestimmt acht bis neun Personen derjenigen, die nun einen Studienplatz erhalten haben, auch noch an weiteren Unis geklagt haben, an denen unser Studienplatzkläger auch klagt. Sie fallen somit dort aus der Konkurrenz heraus und erhöhen seine Chancen an den anderen Universitäten.

 

Ungewissheit im Einzelfall

Letztlich muss man ehrlich ansprechen: Mit Gewissheit kann Ihnen niemand sagen, ob Ihre Studienplatzklage erfolgreich sein wird oder nicht. Zu viele Unbekannte spielen hierbei eine Rolle. So ist es bereits nicht vorhersehbar und erkennbar, ob und in welchem Umfang andere Personen auch einen Studienplatz in dem gewünschten Studiengang an der gewünschten Hochschule mit einer Studienplatzklage einklagen wollen. Mit anderen Worten: Schon die Konkurrenzsituation ist unüberschaubar. Vor allem muss man aber beachten, dass es für die Erfolgsaussichten maßgeblich auf die konkrete Kapazitätsberechnung der Hochschule für den begehrten Studiengang ankommt. Diese Berechnungen sind tendenziell fehleranfällig, weil sie sehr komplex und umfangreich sind. Hinzu kommt, dass sie jedes Jahr von jeder Hochschule für jeden Studiengang neu angefertigt werden müssen. Dies erhöht auf der einen Seite zwar die Fehleranfälligkeit, eröffnet der Hochschule aber auch jedes Jahr aufs Neue die Möglichkeit, die Berechnung korrekt durchzuführen. Auch wir Rechtsanwälte erhalten die Berechnung erst während der Gerichtsverfahren, also während einer laufenden Studienplatzklage. Es gehört also durchaus eine kleine Portion Mut dazu, eine Studienplatzklage anzustrengen, denn in gewisser Weise schießt man immer „ins Blaue“.

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