ANRECHNUNG UND ANERKENNUNG

Die Anrechnung und Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen

Wer aus einem Studiengang in einen anderen wechselt, steht oft vor der Frage: Was kann ich von meinen bisher erbrachten Studien- und Prüfungsleistungen „mitnehmen“? Was kann ich mir in welchem Umfang anrechnen oder anerkennen lassen? Auch Studenten die Erasmus- oder sonstige Auslandssemester absolvieren, möchten in aller Regel Leistungen aus dem Ausland anerkannt bekommen. Zudem stellt sich hin und wieder das Problem der Negativanrechnung von Fehlversuchen in einzelnen Modulen oder Prüfungsfächern. Beachten Sie bei allem: Die Begriffe „Anrechnung“ und „Anerkennung“ werden in aller Regel synonym verwandt. Einen rechtlich definierten Unterschied zwischen den beiden Begriffen gibt es nicht.

 

Anspruch auf Anrechnung bei Gleichwertigkeit

Die schlechte Nachricht vorneweg: Ein rechtlicher, gerichtlicher durchsetzbarer Anspruch auf Anrechnung oder Anerkennung besteht in den allermeisten Fällen nicht. Denn für einen durchsetzbaren Anspruch müssten die vorhandene Prüfungsleistung und die Leistung, für welche man eine Anrechnung begehrt, „gleichwertig“ sein. Nach der Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte und des Bundesverwaltungsgerichts liegt Gleichwertigkeit dann aber nicht mehr vor, wenn Unterschiede bei

  • Inhalt und
  • Umfang des inhaltlichen, prüfungsrelevanten Stoffes,
  • Workload,
  • ECTS-Punkten (Credit Points),
  • Art und Dauer der Abschlussprüfung oder
  • den Prüfungsbedingungen

bestehen. Wie Sie sehen, liegt Gleichwertigkeit in diesem Sinne tatsächlich so gut wie nie vor. Gleichwohl rechnen die Hochschulen in der Praxis deutlich mehr an, als sie rechtlich müssten. Wenn allerdings Äquivalenzabkommen mit einer Partneruniversität aus dem In- oder Ausland bestehen, wonach Leistungen in vergleichbaren Studiengängen gegenseitig anerkannt werden, hat man sogar einen rechtlichen Anspruch auf Anerkennung.

 

Antragsbedürfnis

Wichtig ist: Eine Anrechnung von Studien- und Prüfungsleistungen geschieht immer nur auf Antrag! Zu beachten ist dabei, dass einige Universitäten und Fachhochschulen Fristen in ihre Prüfungsordnungen aufgenommen haben, bis zu welchem Zeitpunkt ein Antrag auf Anrechnung oder Anerkennung gestellt werden muss. Verpasst man diesen Zeitpunkt, kann man keine Anrechnung mehr erhalten. Es hilft hierbei auch nicht, sich darauf zu berufen, dass man die Regelung in der Prüfungsordnung nicht kannte: Die Verwaltungsgerichte haben mehrfach entschieden, dass angehende Akademiker ihre Prüfungsordnung zur Kenntnis zu nehmen haben. Wenn sie dies nicht machen, können sie sich nicht auf etwaige Unwissenheit berufen.

 

Prüfungstourismus

Rechtlich problematisch bei dem Thema Anrechnung ist der so genannte „Prüfungstourismus“. Hiermit sind die Fälle gemeint, in denen ein Student eine Prüfung bereits ein- oder zweimal nicht bestanden hat, sich dann in einen anderen Studiengang oder an einer anderen Hochschule einschreibt und dort die Prüfung ablegt. Wenn dies geschafft ist, kehrt der Student zurück in „seinen“ Studiengang und begehrt die Anrechnung. Dieses Vorgehen wird mittlerweile von vielen Prüfungsordnungen ausgeschlossen. Darüber hinaus dürfte es auch gegen den auch im Hochschul- und Prüfungsrecht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben verstoßen, nach einmaliger Ablegung eines Prüfungsversuchs für diese Prüfung eine andere angerechnet bekommen zu wollen.

 

Keine negative Anrechnung von Fehlversuchen

Hin und wieder geschieht es, dass Hochschulen nach einem Studiengangwechsel auch nichtbestandenePrüfungsleistungen eines Prüflings anrechnen, sodass er für gewisse Prüfungen einen oder zwei Prüfungsversuche weniger hat. Dieses Vorgehen ist eindeutig rechtswidrig und kann mithilfe einer Klage vor dem Verwaltungsgericht erfolgreich angegriffen werden (oft auch schon in direkten Verhandlungen mit der Hochschule): Die Rechtswidrigkeit einer Negativanrechnung ergibt sich bereits daraus, dass die Anrechnung generell antragsbezogen ist. Das bedeutet: Nur das, was beantragt wird, wird auch angerechnet. Es ist davon auszugehen, dass kein Student beantragt, seine Fehlversuche in einer Prüfung anrechnen zu lassen. Unabhängig hiervon gibt es zu diesem Themenkomplex bereits gerichtliche Entscheidungen. Sollten bei Ihnen Probleme mit einer Negativanrechnung vorliegen, sprechen Sie uns einfach an – wir helfen Ihnen, diese abzuwenden!